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    ESF Baden-Württemberg

 
Die Aufbaugilde ist Mitglied
im Diakonischen Werk Württemberg

 

Politiker hören zu

Ganz ungewohnt war’s für die Heilbronner Bundestagswahl-Kandidaten am Mittwochvormittag. Die Heilbronner Bundestagskandidaten Thomas Fick (Grüne), Josip Juratovic (SPD), Michael Link (FDP) Alexander Throm (CDU) und Konrad Wanner (Linke) standen eine Stunde lang nicht im Mittelpunkt, sondern hörten im Second-Hand-Kaufhaus der Aufbaugilde zunächst nur zu.

Die Politiker lauschten sieben langzeitarbeitslosen Menschen aus der Region Heilbronn, die von ihren Sorgen und Nöten erzählten, und was sich aus ihrer Sicht ändern muss. Jeder Langzeitarbeitslose hat seine eigene Geschichte, dies wurde schnell deutlich, in der von Christina Metke, Geschäftsführerin der Stuttgarter Agentur Public Sense, geleiteten Gesprächsrunde.

Susanne M. aus Schwaigern erkrankte beispielsweise nach zwei betriebsbedingten Kündigungen schwer und kämpft nun mit verschiedenen gesundheitlichen Einschränkungen. Für die 51-jährige ist dies aber kein Grund die Hoffnung aufzugeben. „Mir liegt am Herzen, dass mir wieder Lohn für meine Arbeit gezahlt wird, anstatt Hartz IV zu beziehen“. Besonders ärgerlich ist für die Heilbronnerin, dass das Projekt „Soziale Teilhabe“, in dem sie derzeit arbeitet, demnächst ausläuft. Ob es für sie verlängert wird ist unklar und diese Unsicherheit macht ihr schwer zu schaffen. So geht es auch den meisten anderen Langzeitarbeitslosen in der Runde. Und sie erinnerten daran: Auch Arbeitslose haben als Wähler und Bürger einen Anspruch darauf, dass ihre Interessen und ihre persönlichen Schicksale besser berücksichtigt werden. Sonst werde die Zahl der Nichtwähler weiter zunehmen.

Die Politiker in der Runde hatten vermutlich das meiste schon einmal gehört, doch heute lernten sie bei der Aufbaugilde die Menschen hinter solchen Geschichten kennen. Mitnehmen konnten sie aus dem ersten Teil der Veranstaltung, dass alle langzeitarbeitslosen Menschen in der Runde gerne arbeiten möchten, viele dies aber nicht mehr mit voller Intensität können.

Die kleine Runde im Literaturcafé des Second-Hand-Kaufhauses zog nun um in die große Verkaufshalle vor ein bereits wartendes Publikum. Zunächst gaben Frau Metke und Hannes Finkbeiner, Geschäftsführer der Aufbaugilde, einen Überblick über den ersten Teil der Gesprächsrunde. Martin Tertelmann vom Sozialunternehmen Neue Arbeit in Stuttgart berichtete dann über eine Befragung von Langzeitarbeitslosen, darunter auch sechs aus Heilbronn, zu ihren Gründen des „Nichtwählens“. Die Besonderheit an dieser Studie: Die Befragung der langzeitarbeitslosen Menschen wurde von Langzeitarbeitslosen durchgeführt.

Nun kamen auch Politiker in der Runde zum Zug und schilderten wie sie das zuvor gehörte wahrgenommen haben. Für Josip Juratovic von der SPD ist klar, dass neue Arbeitslose zeitnah qualifiziert werden müssen, und dass für langzeitarbeitslose Menschen ein sozialer Arbeitsmarkt notwendig ist. Eine Forderung die alle anderen Bundestags-Kandidaten ebenfalls formulierten. Manche Zuhörer fragten sich da allerdings, weshalb es diesen sozialen Arbeitsmarkt bis heute noch nicht gibt. Nach Meinung von Alexander Throm, Kandidat der CDU, wäre außerdem längeres Arbeitslosengeld wie Gift für die Betroffenen, die Politik sollte eher dafür sorgen, dass alle, die arbeitslos werden, schnell wieder in Arbeit kommen. Und für Arbeitslose mit gesundheitlichen oder anderen Beeinträchtigungen müsse es andere Lösungen geben. Thomas Fick von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN sagte, dass wir eine sehr exklusive, ausschließende Gesellschaft hätten, bezogen auf den Arbeitsmarkt. Konrad Wanner von DIE LINKE meinte wiederum, dass im reichen Baden-Württemberg langzeitarbeitslose Menschen gar keine Perspektiven hätten. In der Realität gibt es Lebensläufe, die am ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, sagte wiederum Michael Link von der FDP.

Das letzte Wort in der Runde hatte Gastgeber Hannes Finkbeiner. Er bedankte sich bei den Kandidaten, dass sie sich zur Wahl stellen, denn „Wahlkampf belebt die Demokratie“, so der Geschäftsführer der Aufbaugilde. Er hat für die Zukunft zweiWünsche: „Hören Sie den Menschen weiterhin zu und wir brauchen öffentlich geförderte Beschäftigung “. Dem ist aus der Sicht von Langzeitarbeitslosen nichts mehr hinzuzufügen.

Hannes Finkbeiner, Josip Juratovic, Alexander Throm, Konrad Wanner, Thomas Fick, Christina Metke, Michael Link und Martin Tertelmann (v.l.)