ESF Baden-Württemberg

 
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Politiker an der Basis

Welche Probleme haben Langzeitarbeitslose? Warum gehen Menschen ohne Job oft nicht mehr wählen? Wie sieht‘s an der Basis überhaupt aus?

Josip Juratovic, Heilbronner Abgeordneter der SPD im Deutschen Bundestag, machte sich am Dienstag, den 4. Juli 2017, von den Sorgen und Nöten langzeitarbeitsloser Menschen aus der Region Heilbronn selbst ein Bild. Er folgte einer Einladung von Kursteilnehmern des ESF-Projektes „Marktnahes Arbeiten im lokalen Konsens“ (MALOK) ins Literatur-Café im Second-Kaufhauses der Aufbaugilde. Der Politiker und 22 Kursteilnehmer trafen zwar bei Kaffee und Hefezopf aufeinander, ein seichtes Kaffeekränzchen wurde es aber nicht. Bereits als Josip Juratovic aus seinem bewegten Berufsleben erzählte – vom Fließbandarbeiter zum Bundestagsabgeordneten – verloren viele Kursteilnehmer ihre anfängliche Scheu. Da steht jemand, der den Wert von Arbeit kennt, und der vor allem auch weiß, wie wichtig die Aussicht auf Arbeit für Menschen ohne Job ist – so der Eindruck der Teilnehmer/innen.

Dass sich Staat, Land und Kommunen mit Lösungen schwertun, bestätigte der Bundespolitiker: „Niemand hat Hurra geschrien, als ich gesagt habe, wir brauchen öffentlich geförderte Beschäftigung“, so Josip Juratovic. „Für viele Kursteilnehmer wäre dies aber ein wichtiger Schritt zurück ins „normale“ Leben“, erläuterte Monika Weidner, die pädagogische Begleiterin der Gruppe. Den ersten Schritt machen die Teilnehmer/innen mit der Teilnahme am MALOK-Projekt. Gefördert durch den Europäischen Sozialfonds bekommen sie hier individuelle Unterstützung, nehmen Qualifizierungsangebote wahr und entwickeln persönliche Perspektiven für ihre Integration in den Arbeitsmarkt. Doch ohne Arbeitsplatz wächst der Sorgenberg manchmal ziemlich schnell, erklärt eine Mutter: „Unsere Wohnkosten sind so gestiegen, dass mir und meiner 14-jährigen Tochter für zwei Wochen noch 180 Euro bleiben“. Hohe Mietpreise und fehlende Wohnungen im Großraum Heilbronn waren für fast alle Kursteilnehmer/innen ein wichtiges Thema und auch der Wunsch nach mehr Unterstützung. Gemeint ist allerdings nicht unbedingt die finanzielle Situation, sondern der persönliche Weg aus der Arbeitslosigkeit. Dass in diesem Zusammenhang die politischen Parteien genannt wurden, war die logische Konsequenz. Auch einige Kursteilnehmer fühlen von der Politik allein gelassen und gehen nicht mehr wählen. Für Josip Juratovic ist dies aber die schlechteste Variante, und er sagte auch warum: „Wer nicht zur Wahl geht, braucht sich nicht zu wundern, wenn die regieren, die nichts für einen tun“. Manche Teilnehmer/innen machte dies doch nachdenklich.